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Hier finden Sie Presseberichte
und eigene Berichte über unsere Arbeit und unser Team: |
Betroffene nicht allein lassen
Kriseninterventionsteam des Landkreises ist
rund um die Uhr in Einsatzbereitschaft
Von Ditmar Wohlgemuth
Kreisgebiet. „Im
Entführungsfall des Rackwitzers Thomas Nitzschke im Irak wurden wir
bisher nicht angefordert.“ Spezialisten hätten die Betreuung der
Angehörigen übernommen, hörte Katrin Hengst. „Wir sind aber auch
bereit dazu“, sagte die stellvertretende Leiterin des
Kriseninterventionsteams (KIT) des Landkreises Delitzsch. Die 16
KIT-Mitglieder sind psychologisch geschult und würden diese
ehrenamtliche Aufgabe übernehmen.
Todesnachrichten überbringen, unverletzten Unfallbeteiligten zur Seite
stehen, Helfern seelisch den Rücken stärken, das sind unter anderem
Aufgaben, die die Männer und Frauen des KIT nun schon seit sechs
Jahren nach bestem Wissen und Gewissen erfüllen. 35-mal waren sie im
vergangenen Jahr im Einsatz. „Es wird von Jahr zu Jahr mehr“, stellte
Hengst fest. Angefordert wird das KIT bei Bedarf, zum Beispiel bei
einer Massenkarambolage oder bei Unfällen mit Toten über die
Rettungsleitstelle.
„Jeweils zwei Leute des Teams haben 24 Stunden am Tag Bereitschaft und
sind in kürzester Zeit in der Lage, zum Ereignisort zu fahren“,
erläuterte die Vize-Teamleiterin. Wichtig sei es, unmittelbar nach den
Geschehnissen für die Menschen da zu sein, zuzuhören, Betroffene nicht
allein zu lassen. Jeder Einsatz sei anderes. Stereotypes Handeln helfe
da wenig. Meist reagieren die KIT-Mitglieder instinktiv aus dem Bauch
heraus und können sich auf ihr Wissen, aber auch auf das
uneingeschränkte Vertrauen untereinander verlassen.
Das Team trifft sich einmal im Monat. Ausgewertet und nachbereitet
werden dann die Einsätze der zurückliegenden vier Wochen. „Hier
verarbeiten wir miteinander das Erlebte“, so Hengst.
LVZ
Delitzsch-Eilenburg Kreiszeitung v. 27.01.06 |
Selbstlosen Helfern fehlen die Einsatzjacken
Eigene Familie und Teamgeist macht
Notfallseelsorger stark
Von Ditmar Wohlgemuth
Kreisgebiet.„Manchmal sitzen wir einfach nur still da. Ein anderes Mal
kommen wir selbst nicht zu Wort, hören nur zu“, erzählt Katrin Hengst.
Es helfe meist schon, einfach nur da zu sein. Wenn Menschen durch den
Verlust naher Angehöriger, oder unmittelbar nach Erhalt der
Todesnachricht aus der Normalität gerissen werden, wird Katrin Hengst
zum beistehenden Engel in der schwersten seelischen Not.
Sie und ihre 15 Mitstreiter des Kriseninterventionsteams (KIT) des
Landkreises Delitzsch helfen, traumatische Ereignisse zu verarbeiten,
Menschen in den ersten Stunden ihres Schmerzes beizustehen. Die
Motive, warum sie dies ehrenamtlich und selbstlos leisten, sind
unterschiedlich. Manche wollen Nächstenliebe leben. Andere finden sich
stark genug und wollen mit ihrer Kraft Menschen Halt geben.
Seit sechs Jahren ist das KIT mittlerweile aktiv und in der
Zusammensetzung nahezu gleich geblieben. Veränderungen gab es auf dem
Leiterposten. Derzeit steht Pfarrer Ralf Günther der Gruppe vor (wir
berichteten). Katrin Hengst ist sein Stellvertreter. „Zweimal schon
habe ich auf Arbeit alles liegen lassen müssen und bin zum Einsatz
gefahren“, erzählt die 37-jährige Sekretärin. Ihr Arbeitgeber, die
Leipziger Universität, zeige sehr viel Verständnis dafür. „Das ist
heute leider nicht mehr selbstverständlich.“
Viel Vorlaufzeit, sich mental einzustellen, haben die
Notfallseelsorger nicht, wenn sie alarmiert werden. „Was wir vor Ort
vorfinden, erfahren wir zumeist erst kurz davor“, so Hengst. Doch
Informationen seien wichtig, um Fehler zu vermeiden und um richtig zu
reagieren. Zwei, auch schon mal drei Stunden kann es dauern, bis die
Aufgabe erfüllt ist, Betroffene an Angehörige übergeben werden können.
Im Nachgang geht jeder auf seine Weise mit dem Erlebten um. „Wir sind
ein klasse Team, da kann jeder jeden anrufen und seinen Emotionen
freien Lauf lassen“, schildert die KIT-Vizeleiterin und findet das
fantastisch.
Die Familie halte sie dabei raus, belaste sie mit diesen Geschichten
nicht und schütze sie damit auch. Der Ehemann und die beiden Kinder
(17 und 12 Jahre alt) stärken ihr den Rücken. „Da muss alles stimmen,
sonst kann man die Aufgabe nicht übernehmen“, erklärt sie und erinnert
sich an die Hochwasserzeit in Eilenburg, wo sie fast ununterbrochen
unterwegs war, um Beistand zu geben und mit anzupacken.
Wenn sich Katrin Hengst etwas wünschen dürfte, wären es unter anderem
Einsatzjacken für ihre Leute. „Bislang trägt jeder seine eigenen
Sachen. Mit den Jacken wären wir eindeutiger als Helfer zu erkennen,
und die Reflektoren bieten mehr Sicherheit“, argumentiert sie.
Finanziert werden kann der Jackenkauf nur über Spenden.
LVZ
Delitzsch-Eilenburg Kreiszeitung v. 27.01.06
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Schrei geht durch Mark und Bein
Beistand durch Kriseninterventionsteam / Polizei
sucht Zeugen zu tödlichem Unfall auf B 183 a
Von Ditmar Wohlgemuth
Delitzsch/Reibitz. Es ist die erste schrecklich traurige Geschichte
des neuen Jahres: Der Mann und Vater macht sich Sorgen, weil seine
Frau, die mit dem Auto und der vier Wochen alten Tochter unterwegs
ist, eigentlich schon zu Hause sein wollte. Per Telefon erreicht der
Delitzscher sie an diesem
Sonnabendnachmittag nicht. Kurz entschlossen fährt er ihr entgegen,
doch seine Fahrt endet abrupt bei Reibitz. Völlig unvorbereitet trifft
er auf den zerstörten roten Polo seiner Frau und sieht sie tot im
Graben liegen. Der Schrei des Entsetzens und des tiefsten Schmerzes
geht den Rettungskräften durch Mark und Beine.
"Mit dem Tod von Menschen müssen wir umgehen können", sagte gestern
Andreas Schulze, Leiter der DRK-Rettungswache, zu den Erfahrungen der
Einsatzkräfte bei dem schweren Unfall auf der B 183 a zwischen Reibitz
und Wellaune (wir berichteten). "Was dieser Mann aber aushalten
musste, das hat uns schon sehr bewegt." Von dem Auftauchen des
Familienangehörigen waren die Helfer überrascht worden. Üblicherweise
werde Angehörigen der Zugang zum Unfallort nicht gestattet.
"Andererseits war es für den Mann sicher eine Erleichterung, seine
Frau noch einmal in den Arm und so Abschied nehmen zu können",
erklärte Schulze. "Das hilft."
"Zeit, uns um die Angehörigen zu kümmern, haben wir in aller Regel
nicht", betonte Ilka Peter von der Polizeidirektion Westsachsen. "Wir
müssen in erster Linie einen Sachverhalt klären. Dass wir natürlich
auch Mitgefühl mit den Opfern und den Hinterbliebenen haben, steht
außer Zweifel." Jetzt werde nach Zeugen gesucht, die Hinweise zum
Unfallhergang machen können.
An besagtem tragischen Nachmittag fuhr zufällig Ines Nartschik vom
Kriseninterventionsteam des Landkreises im DRK-Wagen mit. Sie wollte
sich eigentlich nur einen Eindruck von der Arbeit der Ärzte,
Rettungssanitäter und -assistenten verschaffen. Dass die Lemselerin
tatsächlich gebraucht wurde, war dem Zufall geschuldet. "Ich konnte
mich um den Mann der Toten,
später auch um die zum Unfallort geeilten Eltern der
Unfallverursacherin kümmern", erzählte sie. Mit der verletzten
22-jährigen Fahrerin des weißen Transportes, die Selbstvorwürfe
quälen, habe sie reden können, bevor sie ins Krankenhaus gebracht
wurde. Darin sieht Nartschik eine Aufgabe der speziell geschulten
Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams. Vor Ort wollten sie
Ansprechpartner für alle sein, den Beteiligten helfen, mit der
Situation fertig zu werden. "Dies ist ein Angebot. Es anzunehmen, muss
jeder selbst entscheiden." "Wir reden meist über das Erlebte. Jeder
sagt das, was er loswerden will", so Schulze. Vergessen könne wohl
keiner solche Erlebnisse, "aber Helfer müssen sie verarbeiten, um auch
weiter helfen zu können".
LVZ
Delitzsch-Eilenburg Kreiszeitung
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Sie bleiben, wenn Retter weg sind
Ralf Günther ist der neue Leiter des
Kriseninterventionsteams im Landkreis
Von KARIN RIECK
Kreisgebiet. Sie sind Krankenschwestern, Hausfrauen, Sekretärinnen,
Psychologen, Pfarrer, also in verschiedenen Berufen tätig. 15 Frauen
und Männer kümmern sich seit fünf Jahren im Kriseninterventionsteam (KIT)
des Landkreises ehrenamtlich um Mitmenschen in großer seelischer Not.
Sie sind vor allem dann da, wenn jemand plötzlich mit der Nachricht
vom Tod eines nahen Angehörigen klar kommen muss. Sie bleiben, wenn
Polizei, Rettungskräfte oder Ärzte ihre Arbeit getan haben. Sie bieten
außerdem Hilfe an, wenn eben diese Retter traumatische Ereignisse
verarbeiten müssen. "Die Mitarbeiter des Teams sind im
Stressmanagement mit einem international anerkannten Zertifikat
geschult", so der Eilenburger Pfarrer Ralf Günther.
Der promovierte Theologe hält neuerdings gemeinsam mit Katrin Hengst
im KIT die Fäden zusammen. Der Vorgänger, der Delitzscher Pfarrer
Wolfgang Kraus, übernahm in Thüringen eine neue Aufgabe.
In dieser Woche sind Andrea Bayer und Torsten Pötzsch Tag und Nacht
auf einen Anruf eingestellt. Auf dem KIT-Bereitschaftsplan in der
Rettungsleitstelle in Delitzsch wechseln immer mittwochs die Namen.
Zwei bis drei Mal im Monat, ist in der Leitstelle des
Rettungszweckverbandes
Nordsachsen mit Sitz am Schäfergraben der Kreisstadt zu erfahren,
würde die Unterstützung der Notfall-Seelsorger angefordert. Meist
durch Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste und Notärzte. Aber auch
Privatpersonen, Unternehmen und Einrichtungen bekommen über die
Leitstelle Kontakt zu den Krisenmanagern. "Sofern das gewünscht wird,
sind wir da, hören zu, spenden Trost und helfen bei den nächsten
Schritten, wenn schlimme Nachrichten und Ereignisse verarbeitet werden
müssen", so die Rackwitzerin Bayer, die von Anfang an im KIT dabei
ist. Sie meisterte wie viele Helfer schon mehr als einmal kritische
Situationen.
LVZ
Delitzsch-Eilenburg Kreiszeitung
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Kriseninterventionsteam des Landkreises Delitzsch im Einsatz auf dem
Flughafen Schkeuditz
Schkeuditz 03.01.2005 Am
Dienstagvormittag, den 28. Dezember 04, bekam der Leiter des
Kriseninterventionsteam (KIT) des Landkreises Delitzsch, Pfarrer
Wolfgang Krauß, einen Anruf vom Flughafen Leipzig/Halle: „Um 18.15 Uhr
wird eine Maschine aus Colombo erwartet, in dieser befinden sich
Überlebende der Flutkatastrophe in Südostasien; wir brauchen Ihre
Hilfe.“
Eine entsprechende Koordinationsgruppe
traf sich darauf um 13. 30 Uhr, um alles für die Ankunft der Menschen
vorzubereiten, darunter auch der Leiter des KIT und die beiden
Flughafenpfarrer. Die Frage war, was ist zu tun, um Passagieren wie
Angehörigen und Freunden, die im Terminal warten, den Empfang so
reibungslos und umfassend wie möglich zu organisieren. Dazu wurde der
Terminal A extra hergerichtet, um die Angehörigen und Abholer vor der
Öffentlichkeit abzuschirmen und Telefone zur schnellen Kommunikationen
zu schalten. Besondere Räume für eventuelle Einzelgespräche wurden
hergerichtet, Kleidungsstücke besorgt und Tee bereitgestellt. Notärzte
und andere Einsatzkräfte standen bereit, um für Verletzte zu sorgen.
Die Informationen aus dem Flugzeug waren spärlich, es gab keine
Passagierliste. Es hieß, es befinden sich zwei Schwerverletzte, etwa
20 Leichtverletzte und Personen unter den Passagieren, die Angehörige
vermissen oder sogar verloren haben. Viele von ihnen sind nur mit dem
bekleidet, was sie zur Zeit des Unglücks auf dem Körper hatten. Darauf
musste sich das KIT einstellen.
Zwei Stunden vor Landung der Maschine wurden mit dem inzwischen
eingetroffenen Car-Team der LTU und noch drei weiteren Mitgliedern des
KIT letzte Absprachen getroffen. Ca. 80 Betroffene sollten in
Schkeuditz aus - bzw. umsteigen. Nach der Landung gingen zuerst das
Care-Team, ein Seelsorger und die Psychologin des KIT an Bord der
Maschine, um erste Informationen zu sammeln und die Situation etwas
aufzuklären. Pfarrer Wolfgang Krauß nahm indes Anfragen der Abholer
auf und versuchte per Handy zu klären, ob ihre Angehörigen in der
Maschine sind. Wichtig war, dass erste Informationen zuerst den
Angehörigen zur Verfügung stehen.
Die anderen Mitglieder des KIT brachten die
schätzungsweise 80 Menschen, die noch im Terminal B warteten unter
gewisser Abschirmung vor den zahlreichen Vertretern von Presse und
Fernsehen zum Terminal A. Dort hatten sie dann die Möglichkeit zum
Gespräch oder auch nur, in Ruhe zu warten.
Nach Ankunft und Versorgung der Insassen des Flugzeugs blieb die
Psychologin des KIT, Frau Laaser, zum Weiterflug nach Frankfurt an
Bord, um die Betreuung der verbliebenen Passagiere zu übernehmen.
Pfarrer Wolfgang Krauß brachte noch das Gepäck der beiden
Schwerverletzten, eines Ehepaares, ins Krankenhaus. Und der Rest des
Notfallseelsorgeteams hatte die Aufgabe, sich noch um die Abholder zu
kümmern, die umsonst gekommen waren. Das war wohl einer der schwersten
Momente.
Text: Pfarrer Wolfgang Krauß
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